
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder, der am 17. Juli 2026 verstorben ist. Mit ihm verliert Deutschland einen unbequemen Wissenschaftler, einen engagierten Demokraten und einen Menschen, der sich zeitlebens für die Freiheit des Denkens und den offenen wissenschaftlichen Diskurs eingesetzt hat.
Persönliche Begegnung
Ich selbst habe Klaus-Jürgen Bruder erst während der Corona-Jahre persönlich kennengelernt. Er hielt wichtige Reden auf dem „Marktplatz der Demokratie“, den wir damals zusammen mit den Freien Linken auf dem Nettelbeckplatz organisierten. Unsere Begegnung am Rande eines Kongresses der Neuen Gesellschaft für Psychologie führte schließlich dazu, dass ich der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) beitrat. Als Wissenschaftler mit einer gesellschaftskritischen Haltung war mir Klaus-Jürgen Bruder schon seit meinem Studium an der Carl-von-Ossietzky Universität bekannt. Und durch das gemeinsame wissenschaftliche Verständnis entwickelte schließlich eine freundschaftliche Verbundenheit.
Die Wissenschaft
Klaus-Jürgen Bruder verstand Psychologie niemals als bloße Wissenschaft vom individuellen Verhalten. Sein Interesse galt den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen denken, fühlen und handeln. Mit Werken wie Psychologie ohne Bewusstsein analysierte er, wie psychologisches Wissen zur Erhaltung der kapitalistischen Machtverhältnisse genutzt wurde. Seine Forschungen zur politischen Psychologie, zur Geschichte der Psychologie und zur Psychoanalyse machten ihn weit über sein eigenes Fachgebiet hinaus bekannt. Als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Neuen Gesellschaft für Psychologie schuf er einen Raum für wissenschaftliche Debatten, die sich bewusst gegen ideologische Verengungen richteten.
Politische Psychologie
In den Jahren nach 2020 wurde Klaus-Jürgen Bruder für viele Menschen auch außerhalb der Universitäten zu einer wichtigen Stimme. Regelmäßig sprach er auf Veranstaltungen und Demonstrationen der Demokratiebewegung. Er verteidigte das Recht auf wissenschaftlichen Widerspruch und warnte vor einer Entwicklung, in der Angst, sozialer Druck und Ausgrenzung das freie Urteil der Menschen beeinträchtigen. Sein Anliegen war stets: Wissenschaft lebt von der offenen Debatte und Demokratie von mündigen Bürgern. Diese Haltung verband uns.
Schicksalsschlag
Besonders schwer traf ihn der Tod seiner Ehefrau und langjährigen wissenschaftlichen Weggefährtin Dr. Almuth Bruder-Bezzel, die am 23. November 2025 verstarb. Über Jahrzehnte hatten beide gemeinsam gearbeitet, publiziert und die gesellschaftskritische Psychologie in Deutschland mitgeprägt. Ihr wissenschaftliches und persönliches Wirken bleibt untrennbar miteinander verbunden.
Vorbild
Wer Klaus-Jürgen Bruder begegnete, erlebte einen Menschen, der seine wissenschaftliche Analyse mit einem politischen Auftrag verband. Er hörte aufmerksam zu, argumentierte sachlich und war bereit, auch schwierige Fragen offen zu diskutieren. Seine Kritik richtete sich nie gegen einzelne Menschen, sondern gegen Denkweisen und gesellschaftliche Entwicklungen, die nach seiner Überzeugung Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde gefährdeten.
Der Landesverband Berlin der Basisdemokratischen Partei Deutschland und ich persönlich verlieren mit Klaus-Jürgen Bruder einen ehrlichen und standhaften Mitstreiter. Sein Mut, sich gegen den Zeitgeist öffentlich zu äußern, sein unermüdliches Eintreten für wissenschaftliche Redlichkeit und seine Bereitschaft, den Dialog nie aufzugeben, waren und bleiben ein Vorbild für uns alle.
Wir werden ihn für immer in Erinnerung behalten.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und seinen Weggefährten in der Neuen Gesellschaft für Psychologie.
Prof. Dr. Klaus-Jürgen Bruder wird uns fehlen. Sein Werk und sein Beispiel werden bleiben.

Die Bildvorlagen für die Montagen hat uns der Verband Arbeiterfotografie e.V. zur Verfügung gestellt.

